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Als die Götter zürnten

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SYLT /

Der Freundeskreis Sölring Museen  präsentiert im Friesensaal „Das Gilgamesch-Epos“ / Lesung mit Siegfried W. Kernen und Hanjo Kesting  Keitum „Wenn  in Hamburg das Gilgamesch-Epos mit Hanjo Kesting und Siegfried Kernen angekündigt wird, dann ist der Abend nach wenigen Stunden  ausverkauft“, erzählt Petra Schulze-Wessel.  Diesen Erfolg  hofft die 1. Vorsitzende des neu gegründeten Freundeskreis Sölring Museen e.V. „sollten wir auf Sylt doch auch  erreichen können“. Gründe, warum man sich  die „packende Art“ der Darstellung des Epos nicht entgehen lassen darf, nennt Petra Schulze-Wessel mit ansteckender  Begeisterung. Da ist  dann von der unvergleichlichen Weise die Rede, mit der Hanjo Kesting gemeinsam mit dem Schauspieler Siegfried W.Kernen die Geschichte  von Gilgamesch lebendig werden lässt. Der Mythos um den sumerischen  König gilt zudem als  der älteste erhaltene Text der Weltliteratur, der Schriftsteller und Dichter wie Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke inspirierte und begeisterte, die homerischen Epen ebenso beeinflusste wie die Bibel oder die Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“.

Wie modern der alte Text sein kann, beweist auch ein Comic. „Einige Leute haben vielleicht den Namen Gilgamesch gehört und verbinden damit ein altorientalisches Epos, was aber genau der Inhalt ist, welche Geschichte erzählt wird, ist den allermeisten unbekannt“,    so der Maler und Grafiker Burkhardt Pfister.  Er  hatte sich 2011 das Epos als Projekt für eine Graphic Novel vorgenommen. „Das Gilgamesch-Epos ist eigentlich,  der Urcomic“,  ist Pfister überzeugt. „Hier gibt es Helden mit übermenschlichen Fähigkeiten wie Gilgamesch und sein Freund Enkidu, verführerische Göttinnen, wie Ischtar, Dämonen, wie Humbaba mit dem tödlichen Strahlenkranz der sieben Auren, von den Göttern losgelassene Untiere, wie der Himmelsstier, Skorpionmenschen, Todeswasser und dann die Geschichte der Sintflut, die in das Alte Testament eingegangen ist.“

Pfister erntete mit seiner Graphic Novel großes Lob vom deutschen Feuilleton. Dennoch ist das Buch mit seinen kraftvollen Zeichnungen und der packenden Inszenierung des Mythenstoffes aufgrund der Pleite des Verlages, mit dem Pfister das aufwendige und entsprechend teure Buch produziert hatte, vergriffen. Burkhardt Pfister hofft auf einen neuen Verlag für den Gligamesh. Hanjo Kestin und Siegfried W. Kernen vermitteln mit ihrer Lesung das „Epos der Todesfurcht“, wie Rilke es nach seiner Lektüre nannte, auf der Grundlage der Übersetzung von Raoul Schrott, die der Dichter vor einigen Jahren schuf und die wegen ihrer guten Lesbarkeit den komplexen Stoff  zugänglich gemacht haben.

Die umfassendste bekannte Version des Epos, ist auf elf Tontafeln erhalten. Die ersten Tontafeln mit Fragmenten des Gilgamesch-Epos wurden 1853 gefunden. George Smith (1840–1876) übersetzte sie 1872 und gilt daher als der eigentliche Wiederentdecker des Epos.

Gilgamesch war  König der sumerischen Stadt Uruk, der ersten Großstadt der Welt im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Er  ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch, besitzt außergewöhnliche physische Kräfte, wird als furchtloser und ungehobelter Tatmensch geschildert. Sein despotischer Regierungsstil und die bedrückenden Lasten, die mit seinen Bauprojekten verbunden sind, führen insbesondere zur Verärgerung der Frauen von Uruk, die sich bei der Göttin Ištar beschweren. Um den Herrscher zu bändigen, erschafft die Muttergöttin Aruru gemäß der Anordnung des Himmelsgottes An, Vater der Ištar, aus Lehm Enkidu, der zunächst als wildes, menschenähnliches Wesen in der Steppe bei Uruk mit den Tieren der Wildnis zusammenlebt. Gilgamesch erhält mittels zweier Träume Kenntnis von Enkidu. Seine Mutter Ninsun, Traumdeuterin und Wissende der Zukunft, weist ihn  auf die bevorstehende Ankunft des Enkidu in Uruk hin, der später sein Bruder werden wird. Gilgamesch ist von der Mitteilung erfreut und erwartet ungeduldig die Ankunft Enkidus. Das Epos erzählt, abhängig von der jeweiligen Fassung, von seinen Heldentaten thematisiert aber auch  seine Suche nach Unsterblichkeit. Es ist diese zeitlose Suche nach den ewigen Fragen der Existenz und ihrer Begrenzung, die diesen Stoff so packend macht.  Zudem zeigt er die Quellen unserer Kultur und unseres  Denkens. Wo die Linien laufen, wie sie zu entdecken und zu verstehen sind, das wollen Kestin und Kernen in ihrer Lesung und der Kommentierung des Epos nachvollziehbar aufzeigen.   Michael StitzSonntag, 02.August, 20:00 Uhr im Friesensaal in Keitum. Karten: 15 Euro sind in allen bekannten Vorverkaufstellen erhältlich

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